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Madagaskar:
Vielseitige Unterstützung in einem der ärmsten Länder der Welt

Die Not der Menschen nachhaltig lindern

Zwischen Reiseziel und Überlebenskampf

Für Touristen ist das Land vor der Ostküste Afrikas ein einzigartiges Naturparadies und willkommenes Reiseziel. Der größte Teil der Bevölkerung des Inselstaats im Indischen Ozean kämpft jedoch tagtäglich ums Überleben. Sauberes Wasser, Gesundheitsangebote oder Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten sind für viele Madegassen unerreichbar. Hunger ist – besonders für Kinder – ein alltäglicher Begleiter. Es gibt viele, teilweise sehr junge Straßenkinder, und manchmal brechen Pest oder Cholera aus. Auch Infektionen mit Tuberkulose sind vergleichsweise häufig und mit den vorhandenen Mitteln schwer zu behandeln.

Im Vergleich mit dem Rest der Welt belegt das Land in den meisten Bereichen einen der hintersten Plätze. Auf dem Ranking des Human Development Reports etwa stand Madagaskar im Jahr 2022 auf Platz 173 von 191 Ländern. Auch wenn sich die Lebensbedingungen im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte langsam gebessert haben, lebt der Großteil der Bevölkerung am Limit.

Mangel, wohin man schaut

Zahlen und Fakten zur Situation der Bevölkerung in Madagaskar

„Lebenssituation hat mich fast verstört zurückgelassen“

Susanna Deichmann, stellvertretende Vorsitzende der DEICHMANN-Stiftung

Ich dachte eigentlich, ich hätte schon viel Not und Armut gesehen, aber die Lebenssituation der Madegassen in den Armutsvierteln der Hauptstadt Antananarivo und in den ländlichen Gebieten hat mich fast verstört zurückgelassen. Ihre Hoffnungslosigkeit – nicht die kleinste Aussicht auf Besserung ihrer notvollen Situation oder auf wirtschaftliche Erholung des Landes übertraf alles, was ich bisher erlebt habe: Heute leben über Dreiviertel der Bevölkerung in extremer Armut.

Madagaskar gehört zu einem der hungrigsten Länder weltweit. Die Alphabetisierungs­rate liegt bei nur 65%, Zugang zu sauberem Wasser haben nur wenige Madegassen.

Auch heute noch bricht immer wieder die Pest aus … All das sind Statistiken, Zahlen, Fakten. Es mag banal klingen: Sie zu lesen, ist leichter, als mit den eigenen Augen zu sehen, was sie bedeuten. Gleichzeitig gibt es landschaftlich wunderschöne Regionen. Bei dem Flug über die Insel wirken die Grundbedingungen für Landwirtschaft und Handel gut, aber die Insel wird zunehmend von Dürren, Ungeziefer und Sandstürmen heimgesucht und der größte Teil des Urwaldes ist abgeholzt. Schönheit und Leid liegen hier so nah beieinander, dass man es kaum begreifen kann. Ich bin sehr dankbar, dass wir mit der Stiftung viele Menschen im Land dabei unterstützen können, ihre Lebenssituation zu verbessern.“

Susanna Deichmann,

Mitglied im Vorstand der DEICHMANN-Stiftung, besuchte vor dem Projektstart das Land, um sich einen eigenen Eindruck von der Situation und dem Hilfebedarf der Bevölkerung zu machen.

Warum wir uns in Madagaskar engagieren

Suche nach Land für einen umfangreichen Einsatz

Für einen weiterreichenden Einsatz suchte die Stiftung nach einem Land,

  • in dem viele Menschen unter sehr schwierigen Bedingungen leben,
  • das nicht im Fokus der großen Organisationen für Entwicklungszusammenarbeit ist
  • und in dem die Sicherheitslage so stabil ist, dass nachhaltige Investitionen realistisch betrachtet möglich scheinen.

Im Jahr 2023 fiel die Wahl auf Madagaskar. Dort hat die DEICHMANN-Stiftung vertrauenswürdige Organisationen ausfindig gemacht, mit denen sie verschiedene Projekte begleiten wird, die Menschen in die Lage versetzen, sich rasch selbst zu helfen. „Wir möchten nur so viel Einsatz bringen, wie nötig ist, damit die Menschen baldmöglichst wieder selbstständig sind. Dafür haben wir ausgezeichnete Partner“, sagt Jakob Adolf, Projektkoordinator der DEICHMANN-Stiftung, der von 1997 bis 2009 selbst im Land lebte und arbeitete.

Partner für die Umsetzung

Wasser und Gesundheit

Damit Brunnen wieder sauberes Wasser liefern

In einem über 1.000 Kilometer langen Streifen an der Ostküste gibt es hunderte defekte Brunnen. Mit einem Partner wird die Stiftung zahlreiche Anlagen restaurieren und dafür sorgen, dass sie mindestens 15 Jahre sauberes Wasser liefern. Ein zusätzlicher wichtiger Nachhaltigkeits-Effekt: Die Menschen benötigen dann viel weniger Brennholz, um Wasser abzukochen.

So trägt dieses Projekt dazu bei, die Kohlenstoffemissionen erheblich zu reduzieren, die durch die Verbrennung entstehen. Außerdem sinkt die Gefahr, dass Menschen durch das Trinken verunreinigten Wassers erkranken. Heute führt mit Bakterien belastetes Trinkwasser in vielen Fällen – insbesondere bei Kindern – zu verschiedenen lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Der Partner

Sanitap unterstützt Gemeinschaften, die durch den Klimawandel gefährdet sind. Das Sozial-Unternehmen hilft ihnen, Widerstandsfähigkeit aufzubauen, Leben zu retten und Umwelt zu schützen. Die Lösungen, die sanitap anbietet, decken die Bereiche Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH) ab.

Damit Kranke behandelt werden

Einen Arzt zu erreichen, ist in ländlichen Gebieten Madagaskars enorm schwer. Oft fehlt ihm auch die nötige Ausrüstung für angemessene Therapien. Mit einem dritten Partner geht die Stiftung dieses Problem in großen Bereichen des Landes, die weit weg von der Hauptstadt liegen, an: Zwei geländegängige Fahrzeuge erhalten Material für mobile Kliniken. Sie sind am Einsatzort rasch aufgebaut.

Die Partner koordinieren die Einsätze und sorgen für Aus- und Weiterbildung des medizinischen Fachpersonals, das ehrenamtlich arbeitet. Es sind Mediziner, die im Land leben und bestens mit den Menschen, ihren Erkrankungen und zuverlässigen Behandlungsmethoden vertraut sind.

Die Partner

HoverAid ist eine europäische Hilfsorganisation, die in Madagaskar tätig ist. Neben geländegängigen Kraftfahrzeugen setzt HoverAid Luftkissenboote ein, um in isolierte Gemeinden zu gelangen, die auf anderem Wege kaum zu erreichen sind. Im Projekt übernimmt sie koordinierende Aufgaben und stellt das nicht-medizinische Personal bereit, das mit den Kliniken unterwegs ist.

Die Mobile Hilfe Madagaskar ist eine Hilfsorganisation, die verschiedene medizinische Leistungen in Madagaskar anbietet. Sie sorgt in dem Projekt für die Aus- und Weiterbildung der Mediziner.

MAF (Mission Aviation Fellowship) bietet Missionsgesellschaften, Kirchen und humanitären Organisationen Luftverkehrsdienste an – unter anderem in Madagaskar. In dem Projekt Mobile Kliniken unterstützt sie die Transporte von Menschen und Material.