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Landwirtschaftsschule Tansania: Mit moderner Land­wirtschaft zu nachhaltigem Erfolg

Die Saat der Veränderung:
Eine neue Generation von Landwirten in Tansania

Zusammenfassung

Das Projekt

Die DEICHMANN-Stiftung unter­stützt das KIUMA Agricultural Project (KAP) – eine Landwirt­schaftsschule im Tunduru-Distrikt, Südtansania. Die Partner vor Ort, das Hilfswerk wortundtat und KIUMA, bilden nach einem Vorbild-Projekt in Gambia junge Menschen zu Land­wirten aus.

Die Wirkung

Nach Abschluss der zweijährigen Ausbildung wissen die jungen Landwirte, wie sie sich und ihre Familien ganzjährig mit Nahrung versorgen. Die Erfolgsquote des Modellprojektes in Gambia spricht für sich: 30 von 33 Absolventen sind nach ihrem Abschluss in einem landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt oder gründen ihr eigenes landwirtschaftliches Start-up. Mit der Unterstützung der Landwirtschaftsschule in Tansania bekämpft die DEICHMANN-Stiftung zwei Hauptprobleme in Südtansania: Hunger und Arbeitslosigkeit.

Warum Hilfe nötig ist

Tansanias Erde in Not

Tansania gehört zu den ärmeren Ländern der Welt. Laut dem globalen Hungerindex sind etwa 23,5 % der Menschen unter­ernährt. Bei Kindern kann Unter­ernährung rasch zu Wachstums­verzögerungen oder körperlichen und geistigen Entwicklungs­störungen führen. Auf dem Land im Süden Tansanias haben es die Menschen besonders schwer. Viele haben keinen Zugang zu sauberem Wasser oder Strom. Jobs im Handwerk oder in der Industrie gibt es kaum. Die meisten leben von klein­bäuerlicher Landwirtschaft.

Doch veränderte klimatische Bedingungen stellen die Landwirte vor große Herausforderungen. Traditionelle Anbau­methoden halten nicht mehr den unregel­mäßigen, starken Regenfällen und Dürre­perioden stand. Dies erfordert angepasste Anbau­methoden und Bewäss­erungs­techniken, um die Effizienz und Nach­haltigkeit zu erhöhen, damit die Bewohner der Region ganz­jährig anbauen können.

Landwirtschaftsschule Tansania - Grafik Bildung

70%

der eingeschulten Kinder schließen die Grundschule ab

Landwirtschaftsschule Tansania - Grafik Armut

45%

der Bevölkerung leben von 2€ am Tag

Landwirtschaftsschule Tansania - Grafik Unterernährung

24%

der Bevölkerung sind unterernährt

Landwirtschaftsschule Tansania - Grafik Sanitäre Einrichtungen

70%

der Landbevölkerung haben keine ordentlichen sanitären Einrichtungen

Landwirtschaftsschule Tansania – Große landwirtschaftliche Anbaufläche.“

Ein Großprojekt für den Tunduru-Distrikt: mit modernen Anbaumethoden zur nachhaltigen Versorgung ganzer Gemeinden. Junge Menschen kommen nach KIUMA, lernen, wie moderne Landwirtschaft geht und tragen ihr Wissen zurück in ihre Dörfer.

Wie die Stiftung hilft

Die Landwirtschaftsschule Tansania – junge Talente werden zu Agrarprofis

Die Ausbildung ist in drei Abschnitte gegliedert:

  • Obst-/Gemüseanbau
  • Geflügelzucht, Tiermast
  • Nahrungsmittel­weiter­verarbeitung

Das Besondere an der Landwirt­schafts­schule Tansania ist der ganzheitliche Agrar­business-Ansatz: ein Dreiklang aus land­wirtschaftlichen Fertigkeiten, Betriebs­wirtschaft und Marketing. Auf dem Lehrplan stehen neben der landwirt­schaftlichen Produktion:

Landwirtschaftsschule Tansania – Schüler wässern Jungpflanzen

Betriebswirtschaft

  • Buchhaltung
  • Budgetierung
  • Anbauplanung
  • Produktentwicklung
  • Aufbau von Datenbanken

Marketing

  • Marktanalyse
  • Kundenanalyse
  • Verkaufstechniken
Landwirtschaftsschule Tansania – Schüler bei Feldarbeit

Junge Landwirte säen ihre Zukunft

Derzeit befinden sich rund 60 junge Frauen und Männer zwischen 15 und 20 Jahren in der Ausbildung. Im ersten Lehrjahr steht der Anbau von Obst und Gemüse auf dem Lehrplan, im zweiten die Tierhaltung, Futter­mittelanbau und Weiter­verarbeitung. Ihr Übungsfeld: 720 m² pro Person. Die Auszubildenden sind jeweils für ein eigenes Produktionsfeld verantwortlich, so dass im Wettbewerb unter­einander die Leistungs­bereitschaft gefördert wird.

Die Teilnehmenden kommen aus umliegenden Dörfern und leben auf dem KIUMA-Campus. Sie profitieren von individuellem Coaching zur Stärkenentwicklung. Die meisten finden nach der Ausbildung eine Fest­anstellung oder gründen ein eigenes Business. Ein Stipendium sichert die Schüler finanziell ab, inklusive monatlichem Taschen­geld und Startkapital nach dem Abschluss.

Know-how für nachhaltigen Erfolg: KIUMA-Ausbilder prägen die nächste Generation

Die Ausbilder stammen aus einem nahegelegenen Landwirt­schafts­kolleg und kennen die lokalen Gegeben­heiten und Bedürfnisse. Die Ausbildung besteht zu 80 % aus Praxis und 20 % Theorie, einschließlich Unternehmens­strategie und -planung.

Landwirtschaftsschule Tansania – Lehrer im Sonnenblumenfeld

Was die Hilfe bewirkt

Eine neue Generation von Bauern – mit Nachhaltigkeit zum Erfolg

Landwirtschaftsschule Tansania – Schüler bei Feldarbeit

Die Landwirtschaftsschule Tansania: Anbau von Nahrung und Zukunft

Die Landwirtschaftsschule in Tansania unterrichtet nach einem besonderen Plan, dem Permakultur-Ansatz: Die Landwirte gestalten den Anbau so, dass er nachhaltig ist und sich weitgehend selbst erhält, ähnlich wie ein natürliches Ökosystem. Ziel ist es, landwirt­schaftliche Systeme zu entwickeln, die sich das ganze Jahr über nutzen lassen und Erträge liefern, ohne die Natur zu schädigen.

So unterrichten die Lehrer die Auszubildenden beispielsweise in Agroforstwirtschaft – einer nachhaltigen Landnutzungspraxis. Bäume und Sträucher werden zusammen mit Nutzpflanzen und Vieh auf demselben Landstück kombiniert. Mit diesen Methoden nutzen die jungen Landwirte die Vorteile der Biodiversität, verbessern die ökologische Gesundheit des Bodens, erhöhen die Produktivität und schonen gleichzeitig die Umwelt.

Landwirtschaftsschule Tansania – KIUMA-Gelände von oben.“

Eine unschlagbare Kombination führt zum Erfolg

Durch die Kombination aus praktischer Land­wirtschaft, Wirtschafts­theorie und Stärken­coaching werden die sozialen und beruflichen Kompetenzen der Auszubildenden gestärkt. Sie erlernen Teamarbeit, langfristiges Planen und was gutes Wirtschaften bedeutet. Die Ernte wird nicht exportiert. Die Jungfarmer ernähren vielmehr zunächst sich und ihre Familien ganzjährig von den Erträgen. Überschüsse verkaufen sie auf den lokalen Märkten. Nach der Ausbildung wissen sie genau, was gerne gekauft wird und wie sie ihre Produktion angepasst an die lokalen Bedürfnisse steigern können. Die Gewinne investieren sie in ihr Business und sichern somit auch die Folge­generationen ab – der direkte Ausweg aus Hunger und Arbeitslosigkeit.

Diejenigen, die nicht direkt nach Abschluss einen eigenen Betrieb aufmachen möchten, finden gute Anstellungen bei den Land­besitzern aus der Umgebung. Die Landwirtschafts­schule ist bereits bekannt und die gut ausgebildeten Arbeitskräfte sind begehrt.

Landwirtschaftsschule Tansania – Gruppenbild Schüler beim Pflanzen von Bäumen

Mit Gemeinsinn zu erfolgreichen Landwirten

Während der Ausbildung leben die jungen Menschen zusammen im Internat. Täglich schulen sie ihre Sozialkompetenzen. Fürsorgliches Verhalten untereinander steigert die Motivation und die Lernbereitschaft. In den zwei Jahren reifen sie zu Persönlichkeiten heran, die ein starkes Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft entwickeln.

Hintergrund-Information

Vielfalt als Stärke

In Tansania gibt es rund 129 verschiedene ethnische Gruppen. Swahili ist die gemeinsame Sprache. Die Unterrichts­materialien wurden eigens für die Landwirt­schaftsschule entwickelt, in die Landes­sprache Swahili über­setzt und den lokalen, landwirt­schaftlichen Besonder­heiten angepasst.

Dies bietet den Schülern der Landwirtschafts­schule eine hervorragende Grundlage, um mit einem guten Abschluss erfolgreich in ihre Zukunft zu starten.

Landwirtschaftsschule Tansania – Feld von oben mit arbeitenden Schülern

Partner für die Umsetzung

Partner für dieses Projekt ist das Hilfswerk wortundtat

Seit 1977 gilt das Motto des Hilfswerks wortundtat: „Gott liebt die Menschen. Wir zeigen es Ihnen – in Wort und Tat!“ Menschen, die von anderer Hilfe kaum erreicht werden, stehen bei wortundtat im Mittelpunkt. Die DEICHMANN-Stiftung unterstützt das Hilfswerk und seine Projekte in den Bereichen Soziales, Gesundheit und Bildung. Das Projekt KIUMA konnte nur dank der Hilfe der DEICHMANN-Stiftung und vieler privater Spenderinnen und Spender aufgebaut werden. Seit 1996 hilft es den Menschen in dieser Region Tansanias.