Schön wäre, wenn jemand sagt: „Das mache ich auch“
„Projektideen müssen vor Ort machbar sein und langfristig tragen“, sagt Peter Schlittenhardt im Interview mit der DEICHMANN-Stiftung
Herr Schlittenhardt, warum haben Sie sich entschieden, ein Wasserprojekt im Süden des Landes zu unterstützen?
Weil der Zugang zu Wasser dort besonders schwierig ist. Vor allem im Süden leiden die Menschen regelmäßig unter extremen Dürren. Wenn man in Madagaskar unterwegs war, versteht man, dass der Zugang zu Wasser dort viele Menschen vor große Hürden stellt.
Was hat Sie am Lösungsansatz der DEICHMANN-Stiftung für das Problem konkret überzeugt?
Der Kontakt kam über ein anderes Projekt, das ich dort unterstütze und wir sprachen auch über die schwierige Wasserversorgung im Süden. Daraus entstand die Idee, dort gezielt etwas zu machen. Die Stiftung stellte ihre Projektidee transparent vor und erläuterte die besonderen Bedingungen vor Ort: Wegen der schlechten Straßen ist die Logistik viel aufwendiger als in gut erreichbaren Regionen. In den Gesprächen wurde deutlich, wie sorgfältig geplant und zugleich flexibel gedacht wurde. Diese Offenheit und Professionalität haben mich überzeugt.
Peter Schlittenhardt und seine Frau während einer Reise in Namibia im Jahr 2004.
Worauf achten Sie, damit aus einer Spende ein tragfähiges Projekt wird?
Es geht nicht nur um die Idee, sondern darum, ob das vor Ort machbar ist und langfristig trägt. Und dass lokale Partner Verantwortung übernehmen. Eine Wasserleitung muss ja nicht nur gebaut werden – sie muss im Alltag dauerhaft laufen und von den Menschen akzeptiert werden.
Sie fördern in Madagaskar nicht nur Wasserprojekte, sondern auch Bildung. Warum diese Kombination?
Weil das zusammenhängt. Ich habe gesehen, dass Kinder in die Schule möchten, aber dann zwei Stunden hinlaufen und wieder zurück. Manche bleiben auch in der Schule und schlafen auf dem Boden, weil sie nur dort zu essen bekommen – zu Hause aber nicht. Das vergisst man nicht.
„Eine Wasserleitung muss ja nicht nur gebaut werden – sie muss im Alltag dauerhaft laufen und von den Menschen akzeptiert werden.“
Im Gespräch mit der Stiftung ging es auch um den Zusammenhang von Wasser, Kochen und Umwelt. Können Sie das erklären?
In Madagaskar ist das große Problem, dass die Leute Holz zum Kochen brauchen. Wenn Wasser nicht sauber ist, muss es abgekocht werden. Deshalb halte ich Ansätze für gut, die den Druck auf die Wälder verringern. Wir unterstützen zum Beispiel ein Projekt, bei dem Pellets aus Gras hergestellt werden. Eine Fabrik dort versorgt die Schulen mit diesen Pellets. Dafür braucht es zwar spezielle Kocher, aber die Idee ist sinnvoll: Wenn weniger Holz verbrannt wird, hilft das Mensch und Umwelt.
Wie erleben Sie die Wirkung Ihrer Unterstützung aus der Distanz – Sie leben ja in Deutschland?
Eine fertige Schule, ein funktionierender Brunnen, an denen ich mit meiner Spende mitwirken konnte, geben ein gutes Gefühl. Aber genauso wichtig sind Berichte und Rückmeldungen von Menschen, die diese Angebote im Alltag nutzen und weitertragen.
Peter Schlittenhardt
1939 geboren in Stuttgart. Anfang der 1950er Jahre die Mittlere Reife gemacht. Es folgte eine Mechanikerlehre bei Zeiss Ikon und ein Ingenieurstudium in Esslingen. Er fand eine Anstellung als Ingenieur im 1960 gegründeten Forschungszentrum der Europäischen Gemeinschaft (JRC) in Ispra, Italien. Berufsbegleitend schloss er sein Biologie-Studium in Mailand summa cum laude ab. Am JRC arbeiteten er und seine Frau bis zur Pension.
Beim Ausscheiden aus dem Beruf war Peter Schlittenhardt dort Abteilungsleiter für Satellitenozeanografie. Neben dem Beruf beschäftigte er sich intensiv mit Botanik. 2023 zog das Ehepaar Schlittenhardt von Italien nach München. Der DEICHMANN-Stiftung haben sie mit einer großzügigen Spende geholfen, eine sichere Wasserversorgung für bis zu 8.000 Menschen im Süden Madagaskars aufzubauen.
Woher kommt Ihre besondere Verbindung zu Madagaskar?
1972 war ich drei Wochen mit einem Auto in Madagaskar unterwegs, um Samen zu sammeln. Ich hatte immer ein großes Interesse an Botanik, speziell an Pflanzen aus Madagaskar und Namibia. So entstand die Verbindung. Und als ich gesehen habe, wie die Menschen leben, ging das nicht an meinem Herz vorbei.
Gab es Erlebnisse, die Ihren Blick auf Verantwortung verändert haben?
Ja. Einmal in Namibia stand morgens eine Frau vor uns und wollte unbedingt, dass wir ihr Kind mitnehmen. Sie war sicher, dass es bei uns in Europa besser aufgehoben ist. Solche Momente rücken vieles zurecht. Man versteht: Manche Dinge sind nicht nur mit „ein bisschen Mühe“ zu lösen, sondern es fehlen Strukturen.
Was raten Sie Menschen, die wie Sie spenden wollen, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen?
Man sollte sich informieren und anschauen, was eine Organisation bisher gemacht hat. Wenn man sieht, dass Projekte umgesetzt werden und gut dokumentiert sind, gibt das Vertrauen. Und: Es fällt mir schwer zu glauben, dass es die größte Befriedigung ist, wenn Vermögen immer größer wird. Uns gibt es mehr Befriedigung, wenn gut vorgesorgt ist und man zugleich etwas Gutes tut.
Und was wünschen Sie sich als Vermächtnis Ihres Engagements?
Dass es wirkt – zu Lebzeiten sichtbar, später nachhaltig. Wenn niemand meinen Namen kennt, ist das egal.
Schön wäre, wenn jemand sagt: Das mache ich auch.
Für Gutes investieren
Sie möchten sich über die Möglichkeiten informieren, in ein Projekt der DEICHMANN-Stiftung zu investieren?
Sprechen Sie mich bitte direkt an:
Jakob Adolf
Projektkoordinator
Telefon: 0201 8676-15222
E-Mail: stiftung@deichmann.com
Jakob Adolf
Projektkoordinator
Telefon: 0201 8676-15222
E-Mail: stiftung@deichmann.com








